Monthly Archives: January 2012

pimp-ing thirty nine

“Excuse me, could we talk with each other shortly?” –“Sure!”

I follow my colleagues into the room next door. They look embarrassed as they close the door behind us. Both try not to look at me.

“What’s up?” I ask as I have no clue why they invited me for a confidential talk.

“You have sent this email yesterday around…” one of them says but breaks off.

“Yes, the one with the minutes of the meeting in it?” I try to speed him up.

“Exactly…”

I had to write the minutes of the staff meeting and send it around to everyone.

“Why did you write the number in there?”

Number?!?     I try to retrace the parts of the report but can’t find any other numbers than the numbering of the sections.

“The 39.” It quarries out of my colleague. As if this would explain anything further for me…

“Aer….Excuse me, I can’t remember to have written anywhere a number 39 and even if I had, what’s the point of it?”

“You know, numbers have a significant value in our societ…”-”…it wasn’t always like that. It just came up in the last years…” – “The women in the office have approached us and…”

“Excuse me, what are you talking about?!” I try to make sense of the way they interrupt each other and of what they say.

“The number 39 symbolizes something bad in our society. It stands for when a man does something very bad to a woman…” – they don’t go into detail any further as they are too embarrassed to speak it out in front of me. They show me their outlook-program and how they received my email: the emailadresse is not spelled out like it should be but contains symbols like slash, hash keys and…a 39!

The 39 stands in Afghanistan for being a pimp. But why? The origins of this lie in different theories or are told as rumors and stories. Some are explaining it with the so called Abjad numbers. They are a decimal numeric system in which every letter in the Arabic alphabet is being assigned a numeric value. (The first letter ‘alif’ gets number 1, the second letter ‘be’ is number 2 and so on and so forth). In this system the numbers follow a certain numerology. The famous and well known sentence bism illāh ir-raḥmān ir-raḥīm (“in the name of god, the merciful, the compassionate”) for example is been given the numeric value of 786 which is an addition of the values of the letters: 2+60+40+1+30+30+5+1+30+200+8+40+50+1+30+200+8+10+40). And the word “Allah” (الله ) itself has –if followed Wikipedia knowedge- the numeric value of (1+30+30+5). Inferentially: numbers have very different meaning in different social contexts…

But the famous and mostly told story is the one of a pimp in Herat, who drove a car with the license plate which ended with the number 39. Even his phone number is said to have a 39 in it.

It would be an understatement to say that calling someone a “pimp”, is a huge diffamation in Aghanistan. The different ways how to avoid being associated with the number 39 in everyday life is more than telling: Car license plates with the number 39 are not being bought or repainted.

Some blogs are reporting of men who say they would be one year younger than 40 or one year older than 38 when asked in official places for their age. And even officials at the Loya Jirga refused to be in a group with the number 39. The group had to be renamed as “group 41”.   

There is even a facebook group tryong to advocate for the neutrality of the number 39.

Without knowing I had jumped right into the middle of one of Kabul’s most wide spread official secrets and had infamously called my colleagues pimps…great Miss Curiositiesforsale!…I could not have dropped the brick any better…

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Neun und dreissig – die Zuhaelter Nummer

“Entschuldige bitte, koennten wir gerade mal miteinander reden?” –“Klar!”

Ich folge meinen betreten drein blickenden Arbeitskollegen in den kleinen Nebenraum. Sie schliessen die Tuer hinter uns. Beide schauen mich an als waere ihnen unwohl.

“Was ist denn los?”, frage ich, da ich wirklich nicht weiss, warum die beiden mit mir etwas vertraulich besprechen wollen.

“Du hast da gestern diese Mail rumgeschickt…” faengt der eine an und bricht ab.

“Ja, die mit dem Bericht?” versuche ich ihm weiter zu helfen.

“Genau…”

Ich sollte eine Mitschrift eines Meetings anfertigen und hatte es an alle Kollegen rumgeschickt.

“Warum hast Du die Nummer da rein geschrieben?”

Nummer?!? Ich gehe den Bericht gedanklich durch und finde keine Nummern ausser die Nummerierungen der  einzelnen Abschnitte.

“Die 39.”, bricht es aus dem anderen heraus. Als wenn das etwas fuer mich erklaeren wuerde…

“Aehm, entschuldigung, ich kann mich weder daran erinnern irgendwo eine 39 geschrieben zu haben und selbst wenn, was ist so beredenswert daran?”

“Weisst Du, Nummern haben hier einen bestimmtenStellenwert, eine Bedeutung in unserer Ges- …” “-das mit dieser Nummer war nicht immer so, das ist erst in den letzten Jahren aufgekommen…””-die Frauen im Buero haben uns drauf angesprochen und da…”

“Entschuldigung, ueber was sprecht ihr!?” ich versuche aus dem sich gegenseitigen Unterbrechen meiner beiden Kollegen einen Sinn zu ziehen.

“Die Nummer 39 bedeutet etwas schlechtes in unserer Gesellschaft. Sie steht dafuer, dass ein Mann etwas sehr schlimmes mit einer Frau macht…” – weiter kommen die beiden mit ihrer Erklaerung nicht, zu peinlich beruehrt sind sie davon es vor mir anzusprechen. Sie zeigen mir in ihrem Outlook-Programm wie meine Email bei ihnen angekommen ist: die Emailadressen zweier Arbeitskollegen ist nicht ausgeschrieben wie sie es sein sollte, sondern enthaelt Symbole wie Schraegstriche, Rauten und…eine 39!

Die 39 steht in Afghanistan dafuer, ein Zuhaelter zu sein. Es gibt verschiedene Theorien und Geschichten, die sich um den Ursprung dieser Verknuepfung ranken. Einige erklaeren es mit den sogenannten Abjad-Nummern . Die Abjad Nummern sind ein dezimales numerisches System in dem jedem Buchstaben im arabischen Alphabet ein numerischer Wert zugeordnet wird. (Der erste Buchstabe ‘Alif’ kriegt die Nummer 1, der zweite Buchstabe ‘be’ bekommt die Nummer 2 und so weiter…). Dabei dienen diese Nummern mit ihren zugeschriebenen Werten auch der Numerologie. Dem allbekannten Islamischen Satz: bism illāh ir-raḥmān ir-raḥīm (“im Namen Gottes, des Gnaedigen, des Mitfuehlenden.”) wird beispielsweise den numerischen Wert 786 (in einer Addition der Werte der Buchstaben: 2+60+40+1+30+30+5+1+30+200+8+40+50+1+30+200+8+10+40). Und das Wort “Allah” (الله ) selbst hat Wikipedia zufolge den numerischen W ert 66 (1+30+30+5). So haben Nummern in jedem kulturellen Kontext eine recht unterschiedliche Bedeutung…

Die bekannteste und meist erzaehlteste Geschichte ist jedoch die eines Zuhaelters aus Herat, der ein Auto fuhr dessen Plakettennummer mit einer 39 endete. Sogar seine Telefonnummer soll eine 39 beinhaltet haben.    

Es ist noch eine Untertreibung zu sagen, dass “Zuhaelter” genannt zu werden, eine grosse Beleidigung in Afghanistan ist. Das wird viel mehr noch an den Vermeidungsstrategien klar, die Afghanen an den Tag legen um nicht mit der Nummer 39 assoziiert zu werden. Autonummernschilder mit einer Nummer 39 werden kategorisch nicht gekauft oder umgeklebt   

Einige Blogs berichten von Maennern, die sagen, sie waeren ein Jahr juenger als 40 oder ein Jahr aelter als 38, wenn sie eine solche Angabe beim Amt machen muessen. Und selbst Abgeordnete auf der Loya Jirga wollten nicht in einer Gruppe sein, die mit der Nummer 39 beziffert war. So musste die Gruppe in “41” umbenannt werden. 

Selbst auf facebook gibt es Gegen-Homepages um Menschen von der Neutralitaet der Nummer 39 zu ueberzeugen

Ohne es zu wissen war ich also in eines der weitverbreitesten oeffentlichen Geheimnisse Kabuls getappt und hatte meine Kollegen vor der gesamten Belegschaft der Zuhaelterei bezichtigt… Bravo Fraeulein Curiousitiesforsale,….groesser konnte das Fettnaepfchen wohl nicht sein…

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Bush Bazar (German Version)

In den Korridoren des Supermarktes herrscht globalisierte Leere. Cornflakes lehnen sich gegen Haferflocken, Schokoladentaefelchen gaehnen vor sich hin neben Auslagen von indischem Fertig-Gulab Jamen. Eifrige |Internationals| schieben sich aneinander und an den Auslagen vorbei. Genau dieselbe Szene koennte man wohl in New York oder Berlin (mit etwas mehr Bio und Tofu-Varianten) finden. Genau dieselben gelangweilten und langweiligen Gesichter. Und so sehe ich in die Leere der Globalisierung und gaehne zurueck. Das ist also Einkaufen in Kabul. Alles genauso zufriedenstellend, schnell zu finden wie in jedem anderen Supermarkt. Nur drei Mal so teuer. Willkommen bei Finest, denn so heisst der gute Laden.

Aber hatte mir nicht irgendwer von einheimischen Maerkten erzaehlt? Gemuesemaerkten, Bazaren auf denen man Messer und Luftmatratzen, Armeefutter und Dosenmilch kaufen kann? Klingt das nicht viel mehr nach Abenteuer, Spass und dem guten alten Bater? Flink ist die Nummer meines Abenteuer-Dealers gewaehlt und ein Treffen ausgemacht.

10 Uhr morgens, Bush Bazar.

Wuseliges Treiben durch kleine Gassen. Man stelle sich ein Gemisch aus kleiner Einkaufsstrasse mit glaesernen Ladenzeilen und Marktstaenden, von vornueber stehenden Daechern haengende Taschen, Maenteln und Schlafsaecken, aufgeschichtetem Bettzeug, kleinen Burgmauern aus Waschpulverkisten und einigen verstreut zu findenden Gemueseverkaeufern vor. Zwischendrin laufen Haendler, Verkaeufer mit Tabletts, die getrocknete Maulbeeren anbieten und natuerlich die Kunden. So wie wir.

Ich bin aufgeregt wie ein kleines Kind, da ich das Entdecken auf Maerkten liebe. Das Gewusel und das in Laeden hinein und herumstoebern, Feilschen und ueber einem guten Deal mit dem Verkaeufer eine Beziehung aufbauen, die sich im guenstigsten Fall ueber einem Tee zu einer voruebergehenden Freundschaft ausbaut.

Warum der Markt, im lokalen Slang ‘Bazar’, nun Bush Bazar heisst, ist genauso sagenumwogen wie einfach oder auch verdutzt machend erklaert. Ein guter Anteil der Waren (u.a. Militaerkleidung, MREs (‘Meals Ready to Eat’, die von Soldaten gegessen werden) und Armeeschuhe), wenn nicht sogar die meisten, sind entweder *vom Wagen\LKW\Jingle Truck gefallen* (zu gut deutsch> diebisch erbeutet worden) oder vom Ueberschuss der (George W.) Bush-Armee guenstig abgekauft worden um nun wieder neu verkauft zu werden. Viele Waren scheinen von der 50 km entfernt liegenden Bagram Base zu kommen… Ein Freund schlug halb scherzend vor den Markt auf ‘Obama Bazar’ umzutaufen, da ja nun die politischen Verhaeltnisse sich veraendert haetten.

Gestrandet an einem Gemuesestand laden wir gemeinsam die Tueten voll, sodas drei von uns schwer zu tragen haben. Tief durchatmend und das Portemonaie zueckend bereite ich mich auf das Feilschen und Runterhandeln vor.

“250 Afghani” sagt der Gemuesehaendler.

“Fuer die Gurken?” frage ich Ahmad, der neben mir steht und uebersetzt hat.

“Nein, fuer alles!” grinst Ahmad.

“Das ist…” mein Kopf rechnet kompliziert herum zwischen 5 US Dollar bis hin zu 3,50 Euro.

“Das ist weniger als ich fuer einen Bund Zwiebeln bei Finest bezahle!” strahle ich ihn unglaeubig an.

Die anderen fangen an zu lachen und Ahmad sagt: “wer kauft schon bei Finest…”

Weiter geht es durch die Korridore und mit Waren umwucherten Straesschen. Nichts, was e shier wohl nicht zu finden gibt. Westliche Dosennahrung en masse, festes Schuhwerk gefaellig oder doch eher ein Aufklappmesser fuer den Fall der Faelle? Junge Burschen laufen mit Schubkarren durch die Menge: sie bieten uns ihre Dienste an. Auch andere bezahlen sie als Einkaufsunterstuetzung. Ganz einfach die vielen Tueten in die Schubkarren gelegt und nochmal hier und da hingeeilt. Wir verneinen und schleppen unsere Tueten selbst –unter dem mitleidigen und neugierigen Grinsen der Jungen.

Manche Laeden sind vollkommen mit Shampoo und Kosmetika gefuellt, andere widerum sehen eher wie kleine Ecklaeden (in Berlin wuerden sie “Spaeti” heissen) aus. Waehrend die anderen nach Preisen von Matratzen fragen, sehe ich mich nach Kaese um. In einem der Laeden werde ich fuendig: der Verkaeufer zieht einen drei Kilogramm schweren Kaeseblock aus dem Eisfach. “Gibts den auch geschnitten oder stueckweise?” frage ich verbluefft. Und der Verkaeufer schuettelt nur lachend den Kopf. Ich werfe einen Blick zurueck in den Eisschrank und sehe eingepackten Schinken.

Schinken??! In einem muslimischen Land? Das kann nur von den Militaerbasen kommen, oder?  Und wer wuerde es hier kaufen? Ich zeige meinem Einkaufsmitstreiter der umstrittene Stueck Fleisch im Kuehlfach. Er lacht auf.

“Wahrscheinlich kaufen die Leute das fuer ihre Haustiere, beispielsweise die Wachhunde!”

Hunde und Schinken? Das heist dann wohl, dass die afghanischen Hunde mehr karnivor als muslimisch sind…

Ich nehme das drei Kilo Stueck Kaese mit mir mit und schliesse das Eisfach. Soll jemand anderes den Schinken kaufen. Ich kann dafuer zuhause ne Kaeseparty schmeissen…

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Bush Bazar (engl. Version)

In the supermarket corridors prevails globalised emptiness. Cornflakes lean against rolled oats, chocolate bars give monumental yawns right next to packages of Indian ready made gulab jamin. The international expat crowd is eagerly shoving through the shopping lanes. The exact same scene could play out in New York or Berlin (with a bit more organic food and tofu variations maybe). The same bored and boring faces. And as I look into the abyss of globalised emptiness, I simply yawn back at it. This is shopping in Kabul, where it is just as satisfyingly easy to find anything as quick as you want as in any other supermarket. Just three time as expensive (measured against the local prices). Welcome to ‘Finest’, as they call this ‘shopping-paradise’ here.

But hadn’t a friend of mine just mentioned other local markets? Vegetable markets, bazars in which one could buy knives and air matrasses, army supplies and canned milk? Doesn’t it sound at least a little bit more like adventure, fun and the good old barter? My fingers have dialed the number of my adventure-dealer faster than I can think more about it. A date is found just a couple of days later.

10 a.m., Bush Bazar.

A lively buzz goes through the narrow alleys. Imagine a mixture of small shopping street with private homes lined with food stalls, bags, coats and sleeping bags dangling from overhanging roofs, piled beddings on the alley sides, little fortress walls made out of washing powder cartons and here and there a vegetable seller’s display. In between  are vendors, and fruit sellers with tablets full of dried mulberries. And of course the customers, like we are.

I’m excited like a little kid as I love to venture out on markets. The bustling buisyness, walking in and out of shops, haggling and establishing a relationship with the seller that might build up to a temporary friendship over a tea.

Why the market, locally called ‘Bazar’, has been dubbed ‘Bush Bazar’ is legendary as well as straight forward. Quite a good part of the products (including army clothing, MREs (‘Meals ready to eat’ for soldiers) and army boots), if not most of them, have fallen ‘off the carriage/lorry/Jingle Truck’ (meaning: has been obtained through illegal means) or has been purchased from the surplus of (George W.) Bush’s army for cheap to be resold again. Most of the items seem to come from the 50 km nearby Bagram Base… A friend of mine jokingly proposed to rename the whole market to ‘Obama Bazar’ now that the political arena has changed some years ago…

Stranded on a vegetable chart we pack  several bags full. Three of us will have to carry the heavy weekly shopping. Taking a deep breath I take out my money bag to make myself ready for aggressive haggling…

“250 Afghani!” says the vegetable seller.

“For the cucumbers?” I ask Ahmad who stands beside me and does the translation.

“No, for everything all together.” Ahmad grins.

“That’s…” my brain calculates from Afghani to 5 US Dollar to 3,50 Euro.

“That’s less than I’d pay for a bunch of onions at Finest!” My smile conveys my disbelief.

The others start laughing and Ahmad says: “who buys at Finest anyways!”

On it goes through the corridors and alleyways that are overflowing with products. There seems to be nothing that you can’t get here.  Western canned food en masse. Interested in a pair of good hiking boots? Or in need of a flick-knife, just in case? Boys are running through the visitors with wheelbarrows: they  offer us their services. Other people pay them as a shopping-support. Just put your shopping bags into the wheelbarrow and you can swiftly enter here and there a shop to get some more while they wait and push the cart. We turn down the offers and drag on with our bags ourselves – accompanied by the pitiful and curious grins of the boys.

Some shops are totally filled up to the last place with shampoo and cosmetics, others look like little corner shops (in Berlin you’d call them “Spaeti”). While the others have gone off to ask for the prices of  mattresses, I look for cheese. In one of the shops I find what I was looking for:  the vendor pulls out of the freezer a heavy 3 kg block of cheese. “Can I also get that cut or a piece of it?” I ask amazed by its sheer size. The seller shakes his head laughing. As I look back into the freezer I see a pack of bacon.

Bacon??! In a muslim country? That can just stem from a military base, or?

Ahmad takes over the place of the street seller

And who would buy it here? I show the controversial piece of meat in the freezer to my shopping compagnion. He laughs, too.

“I guess some people might buy it for their animals, like for their watchdogs!”

Dogs and bacon? That means in turn the afghan watchdogs might be more carnivore than muslim…

I take the three kilogram piece of cheese with me and close the freezer. Shall the bacon be taken by someone else…no bacon for the husband. I’ll rather make a cheese-party at home…

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