Schoma hamela hastid! (dtsch. Version)

“Ich muss mal gerade mit Dir reden.”Source: http://go635254.s3.amazonaws.com/ecochildsplay/files/2009/06/pregnant-man-286x300.jpg

Sara steht neben meinem Schreibtisch und knotet ihre Hände ineinander als wenn sie ein unangenehmes Problem aus den Fingern herausziehen müsste. Ihr Lächeln ist wie eine Erinnerung eines schüchternen Unwohlseins auf ihrem Gesicht haengen geblieben.

“Es gibt da einen gewissen Unterschied zwischen Deiner Kultur und unserer. Hier redet man nicht mit Männern über eine Schwangerschaft, nicht mal mit männlichen Verwandten.”

Ich hatte sie um die Übersetzung des Worts ‘schwanger’ in Dari (dem afghanischen Persisch) gefragt. In dem Büro in dem ich arbeite sind überraschend viele Frauen angestellt. Ich sitze in einem Raum, der mit fröhlichen Gesprächen und emsiger Stille von einer Reihe weiblicher Kolleginnen angefüllt ist. Aber der Schreibtisch an dem ich nun arbeite war vorher mit einer Kollegin besetzt, die nun auf Schwangerschaftsurlaub ist. Und der Schreibtisch mir gegenüber ist aus dem selben Grund leer. Meine Kollegin Sara wird die nächste sein, die das Büro verlässt. Sie ist im achten Monat schwanger.

“Da war eine Dame von den Phillipinen, Rebecca. Eines Tages bei einer Konferenz mit Kollegen machte sie die Bekanntmachung, dass eine unserer Kolleginnen schwanger sei. Sie sagte: ‘ Ich habe freudige Nachrichten für uns! Unsere werte Rima ist schwanger!’  – alle waren peinlich berührt!”

Im westlichen Verständnis wie wahrscheinlich an vielen Orten ist eine Schwangerschaft  ein fröhliches Ereignis bei dem ein neues Leben in diese Welt getragen wird. Glückwünsche und Gratulationen begleiten die Schwangerschaft und Geburt. So auch in Afghanistan. Aber hier scheint das Gespräch darüber mehr in den Bereich des weiblichen Austausches untereinander zu gehören. Wie kommt das?

Eventuell ist dieses Peinlichkeitsgefühl in Deutschland oder in westlichen Ländern weniger nachvollziehbar, da in den letzten Jahrzenten viel mehr über Sexualität und intime Beziehungsangelegenheiten geredet und in aller Öffentlichkeit herumposaunt wird. Sei es als Teil eines flirtenden oder sachlichen Gesprächs oder als Unterhaltungsfaktor wie bei Talkshows oder der Fernsehserie Sex and the city.

Von den Frauen mit denen ich mich hier in Kabul  darüber unterhalten habe, wird das Reden mit Männern über Schwangerschaft als als unangenehm und peinlich empfunden, da es eine Aussage darüber ist wie das heranwachsende Kind entstanden ist. Es ist  wie das Herausschreien einer Beichte: “Ich hatte Sex mit meinem Ehemann!”

Nun stelle man sich nun das oeffentliche Reden ueber Geschlechtsverkehr und seine Folgen in einer Gesellschaft vor, in dem es immer noch hart erkaempft ist (und meist ein urbanes Phaenomen zu sein scheint), wenn Frauen am selben Ort wie Maenner arbeiten und in dem es die Norm ist, dass es keinen Sex vor der Ehe und auch nicht ausserhalb der Ehe geben sollte  (nicht gesagt, dass es das nicht gibt…).

Waehrend im Westen Schwangerenyoga mit eng anliegendem Bodysuit und das gelegentliche Fuehlen des Bauches unter Freunden Gang und Gebe ist, verstecken hier die Frauen eher ihren Bauch. Das Gespraech mit Maennern darueber wird vermieden, da es mit unangenehmen Gefuehlen und Gestaendnissen verbunden ist. Was aber nicht heist, dass unter einander mit Frauen nicht kraeftig ausgetauscht und geredet wuerde. Hier findet der wirkliche Austausch statt!

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Filed under Deutsch, gender, men, people, Surrounding, women

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