Loya Jirga oder was der Verkehr flüsterte

Nachdem ich angekommen war und meine ersten Tage ‘zuhause’ (im Gästehaus) verbracht hatte, da gerade Eid-ul-Adha gefeiert wurde – das Büro war geschlossen, alle Afghanen verbrachten Zeit mit ihrer Familie, Geschäfte waren zu und ansonsten nicht viel zu tun- war ich heilfroh als ich anfangen konnte zur Arbeit zu gehen, da es mir ermöglichte ein besseres Gefühl für diese lebendige Stadt zu bekommen. Aber wie es nunmal so geht, fiel Kabul von einem Extrem ins andere. Die Loya Jirga überschattete die Straßen mit luxuriös langen Verkehrsstaus und beschehrte mehrere Tagen an denen wieder frei war und die meisten ausländischen Angestellten aus Sicherheitsgründen nicht raus durften. Aller Erwartung nach schien die Loya Jirga ein hervorragendes Ziel für Angriffe der Taliban zu sein. Tage zuvor wurden Gerüchte gestreut, dass den Taliban interne Pläne der Loya Jirga zugänglich gewesen seien und sie über alle Vorgänge Bescheid wüssten. Trotz der Tatsache, dass die Regierung dies dementierte, kroch eine Unsicherheit durch die Straßen und nistete sich als Unterton in das Gefühl der eifrig herumwuselnden Menschen. War dies ein Bluff gewesen? Meine Kollegen schauten nervös aus dem Auto auf die vorbeifahrenden Fahrzeuge. Waren die Taxis so tief gelagert weil sie schwer mit Sprengstoff beladen waren? Was machte der große Bus neben uns? Und könnte der Krankenwagen dort drüben nur vortäuschen Kranke abzuholen und in Wirklichkeit waren die Uniformen der Männer drum herum im nahe gelegenen Bazar erstanden und tarnten nur die Selbstmordvesten?

Die Situation wurde immer angespannter und es wurde unangenehm irgendwo für mehrere Stunden im Stau zu stehen. Und das nicht nur wegen dem Warten….Aber was war denn dieses Loya Jirga Ding von dem jede_r redete?

Die Loya Jirga (übersetzt: große Versammlung) is ein Treffen von über 200 everyone on the go...streets in KabulDelegierten aus dem ganzen Land (meist Angehörige der Königsfamilie, religiöse oder tribale Anführer oder einflussreiche Persönlichkeiten) die zusammenkommen um wichtige Angelegenheiten Afghanistan betreffend zu diskutieren. Die Versammlung selbst hat keine legislative Gewalt, sondern wird für Empfehlungen und generelle Richtungsweisungen in der Politik einberufen. Loya Jirgas haben nicht nur in Afghanistan, sondern in ganz Zentralasien eine lange Tradition. Afghanistans Präsident Hamid Karzai hatte die große Versammlung (Loya Jirga) einberufen um über die zukünftige Beziehung zu den USA zu diskutieren, da sich diese Verbindung eher wie eine zu lange dauernde, schal gewordene Liebschaft hinauszögert, die zwischen Liebe und Hass (mit plötzlichen Ausbrüchen zu letzterem) ossziliert als in einer gleichberechtigten Partnerschaft zu münden.

„Die hätten diese Jirga niemals erlauben dürfen!“ schnaubt die Gender-Beauftragte neben mir im Auto. „Die bringt nur alle in Gefahr! Gestern haben sie einen Selbstmordattentäter geschnappt, der sich hochjagen wollte. Und wofür das Ganze? Es hat doch sowieso keinen Einfluss oder wirkliche Macht etwas zu verändern! Es ist nur um zusammen zu kommen, etwas zu essen, ein paar Reden anzuhören…hätten sie das nicht über skype machen können?!“

Ich schaue auf das Verkehrswirrwarr in dem sich schon seit einer Stunde nichts mehr zu bewegen scheint außer ein paar Fahrräder und Menschen, die sich ihren Weg zwischen den Fahrzeugen her bahnen. Mein Blick wandert an den Lehmziegelhäusern hinauf, die sich an den zerklüfteten, Kabul umgebenden Bergen festhalten. Da sind Treppen, die von einem Ort zum anderen führen. Ein alter Mann müht sich Stufe um Stufe herunter. Er muss sich anstrengen, nicht vornüber zu kippen, so steil sind die Stufen. Vor einigen der Häuser tapsen Hühner herum und ein altes, robustes Fahrrad steht auf seinem Hinterradständer einfach so in der Gegend herum. Unten am Fuße des Berges werden die drei bis fünf Meter langen Bambusrohre aus Pakistan verkauft, genauso wie das Motoröl in organge dreckigen Behältern. Über all dies wacht das Portrait Massouds mit seinem ruhigen Blick. Sein Bilod ist über die ganze Stadt verstreut zu finden. Er schaut von Plakatwänden auf die Moscheen und von den Wänden der Ministerien und Büros auf die vorbeikommenden Menschen. Was hätte er wohl über die Loya Jirga und über die derzeitige Lage in diesem seinen Land gedacht? Würde er die Verkehrsstaus und die Gefährdung der Bevölkerung als ein lästiges Nebenprodukt des größeren Ganzen in Kauf nehmen oder würde er seine Stirn runzeln über ein belangloses Treffen, das sich selbst zu wichtig nimmt? Was auch immer er gedacht hätte, er ist nicht mehr unter und und wir sind allein daran uns unsere Meinung darüber zu bilden.

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