Eindrücke am Zaun

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Attatürk Flughafen in Istanbul. Wuseliges Treiben um mich herum. Geflüstertes, gegluckstes, gerufenes, ermahnendes, kosendes Türkisch um mich her in all seinen melodischen Färbungen. Der Schalter von Ariana Airlines ist schnell gefunden: es ist der einzige vor dem hoch getürmt mehr Gepäck steht als Menschen. Und hier auch nur Männer, meist mit dunklen Haaren und neugierig eindringlichem Blick, was ich hier wohl will. Schon bevor ich den Havasch-Bus zum Flughafen nahm, habe ich mir meine Shalwar Kamize angezogen (eine weit fallende Stoffhose und eine längere Tunika wie man sie auch in Pakistan oder Indien trägt) und die Dupata, einen weiten Schal, locker umgelegt. Beim Besteigen des Flugzeugs werde ich sie dann auch über mein Haar ziehen.

Im Flugzeug. Fünf andere Frauen habe ich ausmachen können. Vier davon mit Familienanhang. Wahrscheinlich kommen sie ursprünglich aus der Region oder besuchen Verwandte und Familie. Die einzige andere Frau mit blonden Haaren trägt eine schusssichere Weste mit sich. Etwas mulmig wird mir bei dem Anblick schon…Wie sich wenig später rausstellt, ist sie eine Journalistin aus den USA, die mit den Truppen im Süden des Landes in Kandahar reist und diese fotografiert. Nunja, Kandahar ist keine Gegend in die ich einen Fuss setzen würde…

Im Flieger ist es laut und wuselig. Große Koffer und kleine Kinder werden wie Handgepäck zwischen den zwei Korridoren herumgereicht. Nach dem Start geht das Licht aus und erst nach ein paar Stunden werden die auftauchenden afghanischen Berge unter uns in morgendlichem Sonnenlicht erscheinen.

Vom Flughafen geht die Fahrt durch das abgeriegelte Kabul. Es ist Samstag morgens -eigentlich der Anfang der Woche in Afghanistan…mein erster Arbeitstag wird auch ein Samstag sein. Aber gerade ist Eid-ul-Adha und eine Woche lang wird nicht gearbeitet, sondern Familie besucht, Geschenke ausgetauscht und Festessen veranstaltet. Die einzigen Händler, die ich an diesem Morgen draussen sehe, sind junge Männer, die auf den Kreuzungen stehen und mit großen Bündeln herumwedeln: Geld! Es sind Geldwechsler.

Während wir durch die Strassen fahren in dem es vor allem Wände zu sehen gibt -Wände in all seinen Formen und Ausprägungen als Steinwände, Betonwände, mit Sichtschutz oben drauf oder Stacheldraht- kommentiert der Fahrer Said Mafuss die Aussicht. „Das ist die deutsche Botschaft“ sagt er und zeigt auf eine drei Meter hohe, bewachte Wand auf der wiederum ein zwei Meter hoher grüner Sichtschutz trohnt mit Stacheldraht oben drauf. Ungläubig starre ich auf die Repräsentation meines Landes in Kabul. Als ich mir die Ironie nicht verkneifen kann, sage ich: „Da ist keine Botschaft, nur eine grüne Wand.“ Said hält mir die Hand zum High-Five einschlagen hin als wenn er sagen wollte: ‘Du hasts kapiert!’.

Im Gästehaus angekommen erneut Wände. Diesmal vor meinem Fenster. Eine kleine Baustelle und eine Wand mit Sichtschutz hinter der vermutlich die Strasse verläuft, die ich hören kann. Das Gästehaus hat auch einen hochumzäunten Garten mit Rosen darin. Rosen, die wirklich stark nach Rosen duften. Nicht so wie die hochgezüchteten europäischen Varianten, die meist nur hübsch aussehen, aber jeglichen Charme einer duftenden Essenz verloren haben.

Zäune, überall Zäune. Die nächsten Wochen und Monate werden zeigen, ob und was dahinter steckt.

1 Comment

Filed under Deutsch, Surrounding

One response to “Eindrücke am Zaun

  1. Super Blogpost.Habe ein paar tolle Denkanstoesse gekriegt. Warte auf neue Posts.

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