The stone memory (deutsche Version)

(English Version here: http://wp.me/p1ZMFw-i )

„Es gibt Zeiten und Orte an denen wir uns wünschen, wir hätten eine Kamera bei uns. Wir könnten das fotografieren was wir sehen und es festhalten. Manchmal liegt die Kamera zuhause, die Situation erlaubt keine Fotos oder wir verstehen, dass es nicht möglich ist, das was wir erleben, in Fotos festzuhalten.

Ich habe für jeden von euch einen Stein gesammelt. In ihn könnt ihr eure Erinnerung hineinlegen und speichern. Wenn ihr ihn wieder in eure Hand nehmt, wird die Erinnerung da sein an all die Momente, in denen ihr einen Moment mit ihm ‘festgehalten’ habt.“

Jusztina gab mir den Stein. In veschiedenen Brauntönen gestreift, mit Mulden und Kanten lag er in meiner Hand. Nicht gerade eine Schönheit. Trotzdem umschloss ich den Stein, fühlte mit den Fingerkuppen in seine Vertiefungen und versuchte diesen Moment in mir aufzunehmen. Der Wald hinter uns, die kleine Gruppeam Kieselstrand der Donau, Duna wie sie hier genannt wurde, und der Himmel, der das Wasser zu spiegeln schien in seinen Blauschattierungen.

Es war Herbst in Ungarn. Eine Gruppe Feuerspieler und Jongleure hatte sich in einem Waldstück versammelt um gemeinsam zu spielen, von einander zu lernen und Zeit miteinander zu

verbringen. Ich war mit Markus, einem guten Freund, von Berlin aus ‘Richtung Osten’ aufgebrochen und hatten durch Kontakte die ‘firebirds’ gefunden. An diesem Morgen war Jusztina, eine ungarische Feuerspielerin und Tanz-Theater-Performerin, mit uns am Strand.

Wie wenig konnte ich zu dem Zeitpunkt ahnen, dass der Stein nicht wie sonstige Andenken verschwinden sondern mit mir reisen würde.

Lange Zeit blieb er in meinen Jeanstaschen, dann wanderte er von Tasche zu Tasche, je nachdem welche ich bei mir trug. Manchmal ging er verschütt und ich konnte ihn nicht wieder finden. Dann aber tauchte er überraschend wieder auf. Als ich vor zweieinhalb Jahren nach Marokko reiste, befand sich der Stein im Gepäck. Als ich die Geschichte des Steins mit meiner Reisekumpanin Marie teilte, holte sie eine abgeschnittene Dreadlock heraus. Die reiste für sie mit und brachte ihr Glück.

kurz vor Marokko

Viele Momente bleiben unfotografierbar. Gemeinsames Lachen mit Fremden und Freunden, gefühltes Verständnis und alles umkrampfende Angst. So viel ist verborgen und nicht immer in Bildern fassbar. Ich kann sie in Geschichten verpacken, ich kann sie aber auch still belächeln. Der Stein reist bis heute mit. Er war in meiner fiebernd krampfenden Hand als ich in Pakistan meine Lebensmittelvergiftung ausfocht, er klimperte im Portemonaie neben türkischen Lira und indischen Rupees, flirtete locker in meiner Hand als ich am Meer in Karachi neben schlafenden Kamelen stand, lag auf dem Grund meiner Gürteltasche während ich über ein Festival in der Wüste schlenderte und als ich den Flieger nach Afghanistan bestieg. Es ist nur ein Stein, aber für mich ist er wie ein Gefühls-Fotoalbum!

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